katrin kafka - Einblicke in die New Couture ++
Die Österreicherin Katrin Kafka entscheidet sich ganz klar für die Königsklasse der Mode. Als Haute Couture-Schneiderin gründet sie ihr eigenes Label und erzählt uns im Interview, was hinter ihren futuristisch-avantgardistischen Kollektionen steckt.
Der Weg führt vom österreichischen Klagenfurt direkt nach Mailand. Am Istituto di Moda Burgo studiert Katrin Modedesign und Schnittkonstruktion. 2006 erfüllt sich ein Traum für sie: Haute Couture Schneiderin im Atelier Gianni Versace. Sie lernt das aussterbende Handwerk von Grund auf, spezialisiert sich auf die Herstellung von maßgeschneiderter Abendmode und produziert Prototypen für die Prêt-à-porter Schauen des Modehauses. Perfekt vorbereitet gründet sie 2011 schließlich ihr eigenes Modelabel katrin kafka. Couture Schneiderin mit eigenem Atelier und Modelabel
Warum hast du dir die Königsklasse ausgesucht? Der Anspruch und die Mühe sich in der Modebrache zu etablieren, müssen doch proportional sehr viel größer sein.
KK: Ich habe überwiegend im Couturebereich mein Handwerk erlernt und bin begeistert von maßgeschneiderter Mode. Meine Arbeit teilt sich dennoch in zwei Bereiche. Auf der einen Seite mache ich meine eigenen Kollektionen, eine Mischung aus Ready To Wear Bekleidung und einzelnen Elementen aus der Couture, die ich alltagstauglich umgestalte. Andererseits habe ich mich auf maßgefertigte Abend- und Brautmode für individuelle Kunden spezialisiert. So finanziere ich mein Label aus eigener Kraft.
Wer genau ist deine Zielgruppe und wie schwer ist es, sie zu erreichen? Mit welchen Mitteln machst du das?
KK: Meine Zielgruppe sind Frauen ab Mitte Zwanzig, die lieber ein qualitativ hochwertiges und individuelles Kleid haben wollen, als zehn Stück aus Fernost, die nur eine Saison überleben. Ich finde es wunderbar, dass sich immer mehr junge Frauen in diese Richtung bewegen. Im Prinzip war ich selbst mein bestes Versuchskaninchen. Während meiner Zeit in Mailand kaufte ich Unmengen an Bekleidung; viele Dinge weil sie billig oder einfach nur "nett" waren. Die Freude daran blieb schnell auf der Strecke und heute ist es mir unheimlich wichtig zu sehen, dass sich meine Kunden richtig freuen, etwas Besonderes bei mir gekauft zu haben. Das positive Feedback lässt da nicht auf sich warten, ich denke das macht einen Großteil der Werbung für mein Label aus.
Gibt es bei dir eine spezielle Vermarktungsstrategie? Wie muss sich ein neues Label präsentieren, um nicht unterzugehen und sich am Markt zu behaupten?
KK: Meiner Meinung nach muss man gerade als Jungdesigner einfach flexibel sein und ich habe einen guten Mittelweg gefunden, um mehrere Bereiche abdecken zu können. Natürlich dauert es, sich in der Modebranche zu etablieren, aber auch die ganz Großen haben nicht mit Haute Couture begonnen. Armani hat zu Beginn seiner Karriere Fernsehserien ausgestattet. Versace hat für andere Modelabels und Theaterproduktionen gearbeitet. Gerade das ist doch das spannende an der ganzen Arbeit! Grundlegend für mein Label sind gut durchdachtes Design und hohe Qualität, die speziell bei jungen Designern gerne in den Hintergrund gedrängt wird. Besonders in der Schnittkonstruktion bin ich absolute Perfektionistin und verbringe viel Zeit mit der Herstellung der Prototypen. Das wachsende Interesse an katrin kafka zeigt mir persönlich, dass ich anscheinend nicht so viel verkehrt mache.
Trotz traditionellem Handwerk sind deine Kollektionen sehr modern und avantgardistisch. Ist dir gerade dieser Kontrast wichtig?
KK: Ich denke, "Kontrast" ist nicht das richtige Wort - im Gegenteil: Besonders die avantgardistische Mode setzt für mich die Beherrschung von traditionellem Handwerk voraus. Es stimmt allerdings, dass die Maßschneiderei bei uns ein ziemlich angestaubtes und altbackenes Image hat - in Italien ist das ganz anders, dort verbindet man einen guten Schneider mit etwas Exklusiven, etwas Besonderen. Das bewegt sich langsam, aber sicher auch hier in diese Richtung.
Wie beschreibst du selbst deinen Stil und was möchtest du transportieren?
KK: Meinen Stil würde ich als experimentell, modern und feminin beschreiben. Ich liebe es, Frauen mit Sinn für Ästhetik einzukleiden, ohne sie unnahbar wirken zu lassen.
Was hat dich davon überzeugt dein eigenes Label zu gründen?
KK: Das Wissen, eine komplette Kollektion vom Konzept bis zu den fertigen Stücken ohne fremde Hilfe auf die Beine stellen zu können. Früher arbeitete ich als Zeichnerin, dann war ich für Designkonzepte verantwortlich. Später war ich im Verkauf tätig und daraufhin als Schneiderin. Irgendwann spezialisierte ich mich auf Prototypen und machte jeden einzelnen Job mit Freude. Nach einer gewissen Zeit fehlte jedoch immer die Abwechslung. In einer großen Firma ist man eben immer nur für einen Teilbereich zuständig, was über kurz oder lang schlichtweg langweilig wird. Mein eigenes Label zu gründen war also nur die logische Folge.
Was hat dir die Erfahrung bei Versace für dein eigenes Label mitgegeben?
KK: Versace war eine wahnsinnig intensive Zeit meines Lebens. Durchhaltevermögen, Perfektionismus und Feingespür für italienische Ästhetik sind wohl die drei hilfreichsten Dinge, die mich seitdem durch den Arbeitsalltag begleiten.
Steckst du allein hinter dem Label? Wie ist das zu managen? Bleibt etwas auf der Strecke? Wo wünschst du dir Hilfe oder Unterstützung?
KK: Momentan bin ich noch alleine für alles zuständig. Die Tage sind meistens zu kurz und ich muss viel Freizeit in mein Label investieren. Wenn ich abends die Tür zu meiner Werkstatt hinter mir schließe, geht die Kopfarbeit noch lange weiter; die Gedanken an die Arbeit lassen mich erst Stunden später los. Sport ist der beste Ausgleich. Ich würde gerne Schneiderlehrlinge einstellen um ihnen mein Fachwissen weiterzugeben; eine Person für den administrativen Bereich wäre auch eine große Hilfe.
Gab es Probleme bei der Labelgründung, die du heute vermeiden würdest?
KK: Probleme gab es keine, es war anfangs nur ungewohnt, mich als die Person hinter dem Label zu identifizieren. Wenn man immer Angestellte war, macht man sich über die Firma in der man arbeitet kaum Gedanken. Das änderte sich mit meinem Schritt in die Selbstständigkeit schlagartig, und mittlerweile macht es mich sogar stolz. Das gesamte Arbeiten hat einen ganz anderen Wert und ich mache alles viel bewusster als früher.
Was reizt dich an der Arbeit mit Privatkunden und individuellen Anfertigungen?
KK: Der persönliche Kontakt zu meinen Kunden macht einfach Spaß. Speziell bei Kleidern für besondere Anlässe wie Hochzeiten ist der Gedanke wunderbar, Teil des schönsten Tages im Leben einer Frau zu sein. Ich liebe auch die Freude der Menschen zu spüren, ein Unikat für sie kreiert zu haben. Viele haben zuvor noch nie eine Maßanfertigung besessen und sind dann ganz begeistert vom Tragekomfort. Das spornt unheimlich an!
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