Seelenkleid im Herbst/Winter 09/10 - broken aura ++
Die Kollektionen der Designerin Ella Haberlach sind keine Stangenware, die man sich mal eben überzieht, nur um irgendetwas Wärmendes am Körper zu tragen. Hier werden Gedanken, Sehnsüchte und Wünsche in Mode umgesetzt und als solche wollen sie behandelt werden.

Aber auch ohne ein tieferes Verständnis wirkt die Mode in keinem Fall kompliziert und überfordernd. Denn was einen künstlerischen Anspruch hat, ist trotzdem tragbar. Aber in keinem Fall alltäglich.
Denn darum geht es Ella Haberlach in ihren Kollektionen. Sich vom Alltag und gesellschaftlichen Normen zu distanzieren. Die Suche nach dem Besonderen ist ihr Antrieb, aus dem Alltäglichen heraus zu brechen und das Besondere, in Kleidung und Schmuck übersetzt, wiederum in den Alltag zurück zu bringen.
Das Thema der aktuellen Herbst/Winter - Kollektion 2009/10 heißt broken aura. Beschichtungen machen die unsichtbare Aura sicht- und greifbar und geben ihr eine Form. Material wird verfremdet und teilweise zerstört, um die von Menschen künstlich geschaffene und durch äußerliche Eingriffe manipulierte Glamouroberfläche zu sprengen. Der ursprüngliche Leitgedanke form follows function wird im Falle der Seelenkleid Kollektionen zu form follows soul abstrahiert. Das Material Silikon als Textilbeschichtung, als eine weitere Hautschicht, spielt in Ella Haberlachs Arbeit eine zentrale Rolle. In ihren Kollektionen kommt es in abstrahierter, zweckentfremdeter Form zum Einsatz, verändert nicht nur die Oberflächenbeschaffenheit des Textils, sondern ist ein wichtiges, formgebendes Element. Es soll den Kleidern ihre Seele verleihen.
Eine der grundlegenden Gestaltungsideen, insbesondere in der Winter Kollektion, ist die Auseinandersetzung mit dem weiblichen Körper und seiner Funktion als lebendes Accessoire in der heutigen Zeit. Bemalungen und Tätowierungen machen den Körper zu einer Projektionsfläche für Zeichen, Bilder und Aussagen. Der Körper sendet auf diese Weise Botschaften nach außen. Der Schmuck, der mit Hilfe des Silikons direkt in die Kleider gegossen wird, wird zu einer Art modernem Permanent Make-Up bzw. einer direkten Schönheitsoperation auf dem Textil.
Für die Designerin wird die Arbeit damit zu einer sehr persönlichen Auseinandersetzung mit der menschlichen Psyche und ihrer Bedeutung im Bezug auf Mode. Der Einblick in das Innere wird an die Oberfläche gebracht. Schmuck ist hier nicht nur Accessoire, sondern geht weit über seine Dekorationsfunktion hinaus. Er ist vielmehr ein Ausdrucksmittel, ein Schutzpanzer, eine Waffe, eine kostbare Verpackung des weiblichen Körpers. Kleider und Schmuck spielen eine gleichwertige, sich ergänzende Rolle und verschmelzen miteinander.
Inspiriert durch Narbenverzierungen einiger Naturvölker, bekommt Schmuck in der Kollektion eine tiefere, im wahrsten Sinne des Wortes unter die Haut gehende Bedeutung. Basic T-Shirts und schlicht geschnittene Kleider dienen dem Schmuck als Basis, der dem fertigen Teil eine Form gibt und ihm eine Seele einhaucht. Durch die Kombination von Gegensätzen entstehen textile Schmuckteile, die durch das Silikon teilweise radikal, zum Beispiel durch die Verklebung von Falten, die Grenze zwischen Kunst und Mode verwischen.
Es scheint als wäre Glas im Silikonschmuck eingearbeitet, um einen Materialkontrast zu schaffen, der sowohl Zerbrechlichkeit, als auch Androgynität und Kampfgeist zum Ausdruck bringt. Die kristallinen Bruchstücke auf den Kleidern wirken wie dreidimensionaler Narbenschmuck. Die schönen Verletzungen, die schönen Narben, die die Aura wie Glassplitter aufbrechen lassen, verschmelzen mit Hilfe des Silikons als flüssiges, metallisches Make-up mit dem Kleid zu einer Einheit.
mehr Infos zum Modelabel Seelenkleid gibt es HIER >>
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