Interview mit Michael Michalsky - Er hat es geschafft eine Marke in der Modewelt zu kreieren, die beispielhaft ist. Er sagt uns auf was es ankommt, wo der Schwerpunkt bei einem Modelabel liegen muss...

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Modeschule Brigitte Kehrer

Interviews Modedesigner & Co: Michael Michalsky

Die Marke Michalsky - Was können wir lernen?

- Ich bin ein Multitasking Typ. Ich könnte noch weitaus mehr machen -

Junge Designer starten oft kopflos in die Selbstständigkeit. Kreatives Talent allein reicht meist nicht aus, um eine Marke zu kreieren und zu etablieren. Marketing ist am Markt oft der größere Baustein, der den Weg zum Erfolg bahnt. Experte und Vorbild kann ein deutsches Modelabel sein, das in den letzten Jahren konsequent an seinem Image gearbeitet hat und sich nachhaltig einen Platz unter den bekanntesten Modemarken gesichert hat. Michael Michalsky wirbt für Ariel, DHL oder kooperiert mit Tschibo. Was steckt dahinter?


Interview Michael Michalsky+ Sie haben es geschafft, eine Marke zu kreieren. Steckt dahinter eine genaue Strategie oder ist das alles ihrer Persönlichkeit zu verdanken? Stehen Sie morgens auf, haben eine Idee und setzen diese sofort um?

Bevor ich den Sprung ins kalte Wasser gewagt habe, habe ich mehr als 11 Jahre in leitender Position bei adidas gearbeitet und große Verantwortung für ein großes Team gehabt. Dort habe ich gelernt, kommerziell und marketingorientiert zu denken. Auch in den Jahren zuvor bei Levis war das ähnlich.

Von Anfang an war für mich klar, wenn ich mich selbstständig mache, dass ich mein Label nach der Formel einer Marketing Driven Company strukturiere. Dem Marketing Bereich von Michalsky wurde ein Produkt Management Team aufgesetzt. Das ist schließlich mein Background und ich bin es gewohnt, mit einem Produkt Management zu arbeiten. Natürlich nehme ich den kreativen Lead und bin auch Head of Produkt Management, weil wir eine kleine Firma sind. Es war mir ganz wichtig, mein Label von Anfang an professionell aufzuziehen, weil ich weiß, dass viele der kleinen Designer erst einmal anders anfangen und sich dann sowieso neu aufstellen müssen, wenn sie wachsen. Ebenso habe ich von Beginn an geplant, das Mantra meiner Marke konsequent durchzuziehen - Real clothes for real people. Dadurch will ich so viele Leute erreichen, wie möglich.


+ Sie haben finanzkräftige Hilfe, um ihre Vision umzusetzen. Ist das im Endeffekt das Zünglein an der Waage?

Es ist sehr wichtig, dass ich jemanden habe, der nicht nur Investor ist, sondern auch die kaufmännische und betriebliche Seite koordiniert. Mit Volker Tietgens ist es als Zweier-Team sehr viel einfacher. Bei allen großen Labels die personality-driven sind, gibt es immer eine zweite Person, die im Hintergrund steht. Ob das jetzt bei Valentino ist, oder Calvin Klein. Ich will mich mit diesen Leuten nicht gleich setzen, aber das zeigt ja schon, dass diese Seite genauso wichtig ist, wie die Idee. Heute funktioniert gar nichts mehr, wenn man diesen Teil nicht genauso wichtig bewertet, wie den kreativen Teil.


+ Haben kleine Labels also gar keine Chance? Ist man auf Investoren angewiesen?

In den letzten 10 Jahren haben sich die Kräfteverhältnisse in der Modebranche sehr verändert. Es gibt eigentlich wenig international erfolgreiche Designer, die unabhängig sind. Es gibt die drei großen Konglomerate im Designer Luxus Bereich – Louis Vuitton Moët Hennessy, PPR und Richemont, die fast alle Labels unter sich haben, die wir cool finden. Diese werden wie DAX Unternehmen geführt und haben natürlich andere Budgets für Werbung und Marketing, um eine Marke groß zu machen.

Dolce & Gabbana machen dabei noch eine Ausnahme und stehen auch ein bisschen für die Traumstory, der Viele noch nachjagen - Ich mache eine Kollektion und alle flippen aus und ich  kann mich 20 Jahre lang halten. Aber diese Zeiten sind vorbei. Man braucht heute in der Modebranche unheimlich große Ressourcen, weil man Kollektionen vorfinanzieren, sich darstellen muss und vieles mehr.


+ Wird man durch einen Geldgeber auch eingeschränkt, wenn man jemanden im Nacken sitzen hat?

Herr Tietgens habe ich mir selbst ausgesucht und wir führen eine gleichberechtigte Partnerschaft. Er wurde mir nicht vorgesetzt. Es war auch ein Glücksfall, ihn zu finden, weil er aus einer anderen Brache kommt und sehr visionär ist. Das öffnet oft die Augen für Dinge, die man sonst gar nicht betrachten würde. Er kommt aus der Werbung, aus der Zeit des Internetbooms. Dort geht es genauso darum, Kreativität zu vermarkten. Deshalb ist es eigentlich sehr cool, dass er das Fashionsystem gar nicht auf die gleiche Weise kennt, wie ich.


+ Sie sagten sie möchten eine möglichst große Zielgruppe erreichen – deshalb auch die vielen verschiedenen zusätzlichen Projekte?

Das mache ich aus verschiedenen Gründen. Wobei es eigentlich gar nicht so viele Sachen sind, wenn man sie im Vergleich zu den Angeboten sieht, die ich bekomme. Ich suche mir natürlich nur Marken heraus, bei denen es sich um eine klassische Win-Win-Situation handelt. Sowohl für die Marke, als auch für mich. Und neben der Win-Win-Situation ist mir persönlich als Designer wichtig, dass ich einen Bezug zur Marke und einen Berührungspunkt habe. Ich muss die Marke toll finden, sie selbst benutzen oder es logisch finden, dass sie zu einem Designer passt.

Ich bin ein ganz großer Verfechter von Marketing Kooperation. Das hab ich schon bei adidas gemacht und ich denke, dass es das Marketing Konzept der Zukunft ist. Ich glaube, dass ich damit auch Recht habe, weil inzwischen natürlich auch viele andere Modelabels so arbeiten. Ob Lala Berlin mit Unützer oder Kaviar Gauche mit Görtz. Heute geht es gar nicht mehr anders und es ist auch toll, weil es der Marke hilft. Man muss einfach aufpassen, welche Partnerschaft man sich aussucht und ich denke, dass ich dafür ein ganz gutes Händchen habe.
 

+ Birgt das Ganze nicht auch ein Risiko, bei den vielen verschiedenen Standbeinen den Fokus zu verlieren und am Ende vielleicht kein Projekt richtig zu machen?

Nein, ich bin ein Multitasking Typ. Ich habe lange Jahre eine Designabteilung geleitet in der 185 Leute auf 3 Kontinenten gearbeitet haben. Für mich ist das kein Problem. Ich könnte noch weitaus mehr machen. Man darf einfach nicht vergessen, dass ich zwar für die Marke stehe und die Richtung vorgebe, aber dahinter ein Top Team steht. Ein großer Designer, ob in Paris oder sonst wo, macht natürlich physisch nicht alles allein. Man ist nur so gut, wie sein Team. Aber ich würde mich auch über noch mehr Aufträge freuen, weil es der Marke etwas bringt.


+ Was würden sie nicht machen? Wo ist die Grenze? 

Ich habe schon viele Angebote abgelehnt. Ich muss 100% davon überzeugt sein. Das hat nicht immer etwas mit Geld zu tun. Authentisch sein und Spaß machen soll es, weil man sonst nicht die angemessene Leistung bringen kann. Dann fällt es negativ auf das Label zurück. Der persönliche Spaßfaktor ist mir wichtig. Ich habe mich ja nicht selbstständig gemacht, um weniger Lebensfreude und Spaß zu haben. Sondern, weil ich vorher immer für andere Marken gearbeitet habe, möchte ich jetzt etwas machen, wo ich mich 100% sehe.


+ Gab es denn schon mal einen Moment wo sie keine Lust mehr hatten und ans Aufhören gedacht haben?

Nein, Mode ist mein Leben. Man ist nur gut in einem Job, wenn man eine gewisse Leidenschaft für die Sache hat. Ich habe mir immer gewünscht, kreativ arbeiten zu können. Natürlich gibt es Ups und Downs, aber ich habe nie drüber nachgedacht, aufzuhören. An der Mode gefällt mir, dass sie sich immer weiter entwickelt. Vor 15 Jahren habe ich noch nicht gewusst, dass ich mal irgendwann mein eigenes Label haben werde oder mit meinem absoluten Fashion Hero, wie Yohji Yamamoto zusammenarbeiten würde.

Ich bin ein sehr optimistischer Mensch und liebe das Leben und bin jemand, den die Vergangenheit nicht interessiert. Und bin immer in der Erwartung, dass noch sehr viele tolle Sachen auf mich zu kommen werden.



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