24.01.12

Mercedes Benz Fashion Week Teil 2: Zwischen Schauspiel, Retro und New Couture ++

von Elena E-Mail

Vintagemesse Toast and Jam

Monatelanges Vorbereiten, schlaflose Nächte, Ideenfindungsprobleme, endloses Nähen - vergangene Woche hatte das Leiden der deutschen Designer endlich ein Ende. Zur Fashion Week in Berlin wurden die neuen Kollektionen im Mercedes Benz Zelt oder Offsite präsentiert.

Für große Gefühle und Begeisterung sorgte bei mir dieses Mal Dawid Tomaszewski. Mit seiner ausgefallenen Kollektion war er mein persönliches Highlight der diesjährigen Fashion Week. In düsterer Atmosphäre mit Kunstnebel und lauter, dramatischer Musik stellte der deutsch-polnische Designer seine Kreationen aus hochwertigen Materialien wie Leder, Wolle, Kaschmir sowie aus Metall, Federn und Swarovski-Steinen vor. Inspiriert von Architektur und Kunst, wurden simple Formen manipuliert, auseinander genommen, in Stücke zerlegte und als etwas Neues, Modernes wieder aufgebaut – getreu dem Motto seiner New Couture.

Fortsetzung:

Die schönste Inszenierung allerdings schaffte der Newcomer Sebastian Ellrich mit seiner von Gelb und Grau geprägten Kollektion Just One of Those Things. Er verabschiedete sich von der üblichen Präsentation in Form eines Laufstegs. Wie Tomaszewski entschied auch er sich für eine Offsite-Location und präsentierte seine Kreationen Unter den Linden mit schauspielerischen Elementen in unterschiedlichen Räumen. Zu sehen war zum Beispiel ein, mit offenen, von der Decke ragenden Regenschirmen, dekorierter Raum – mittendrin ein Model, gekleidet in Sebastian Ellrich. Ob mit Regenschirm im Nebel, Rollschuh fahrend, beim Tanzen zu Klaviermusik oder beim gemeinsamen Dinner – der Jungdesigner versteht etwas von Kunst und Theater und lässt seine Models kleine Geschichten erzählen.

Trotz simpler Präsentation im Studio, konnten auch Julia & Ben überzeugen. Sie bewiesen ihr Können durch ausgefallene Schnitte und präsentierten dennoch eine tragbare Kollektion. Das Duo setzte auf schöne Erdtöne und einen Mix aus weichen Stoffen und schwerem Leder.

Ein Materialmix war auch bei Dimitri deutlich zu erkennen: Glattes Leder zu Fell oder satte Materialien zu transparenten Stoffen. Die Kollektion zeigte Femininität und Eleganz, ebenso wie die von Irina Schrotter und die Gold geprägte Kollektion von Marcel Ostertag.
Doch nicht alles verdient ein Lob von mir. Etwas enttäuscht war ich von der Salonshow des Green Showrooms im Adlon Hotel. Mir ist bewusst, dass Mode und Nachhaltigkeit ein wichtiges Thema ist, aber im Vergleich zur letzten Mercedes Benz Fashion Week, war die diesjährige Show eher ernüchternd und von zu vielen Basics geprägt.

Ähnliches gilt für die Kollektion von Kilian Kerner. Er präsentierte überwiegend Strickmode – vor allem für die Herren, welche weder modern, noch stilvoll war – glich diesen Eindruck aber wenigstens durch ein Paar schöne Einzelteile für die Damen wieder aus.

Weit weg von High Fashion geriet ich erst am Samstagnachmittag durch meinen Besuch der Toast&Jam - einer Vintage Messe mit rund 40 Ausstellern. Ich muss zugeben: Ein Traum für Retro-Liebhaber! Gegen ein Paar Euro Eintritt befindet man sich mitten im Vintage-Paradies. Umgeben von freundlichen Standinhabern, bot die Toast&Jam eine tolle Auswahl an Kleidung, Schuhen, Taschen, Schmuck, verschiedenen Accessoires und alten Haushaltsgegenständen. Für die passende Atmosphäre sorgten kitschige Dekorationen, alte Musik und passend gekleidete Verkäufer.

Die Mercedes Benz Fashion Week ist vorbei, das Zelt ist abgebaut und in Berlin kehrt langsam wieder Ruhe ein – zumindest bis zum Sommer, denn dann heißt es für mich erneut: Highheels auspacken und nach Trends Ausschau halten.

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