21.06.11

Coffee and Cigarettes – Tischsauereien als schmückende Zierde

von carla E-Mail

Textildesignerin Julie Krakowski lässt sich von kleinen Unfällen zu Tisch inspirieren und erschafft so atemberaubende Muster und Strukturen, die verwirren und bezaubern.

Mist, Kaffee geschlappt! Oder noch schlimmer, ein Brandfleck in der guten, frisch gestärkten Spitzendecke. Ein Malheur, das wir alle kennen und das uns den perfekt gedeckten Tisch schnell madig macht.
Julie Krakowski sieht das anders. Für die Textildesignerin sind Kaffee und Kippen eine wahre Augenweide. Schließlich dient ihr das bräunliche Potpourri als Inspirationsquelle für ihre textilen Kunstwerke. Je größer das Desaster, desto besser. Unter dem Namen Coffee and Cigarettes hat Julie Krakowski eine Textil-Serie kreiert, die auf den ersten Blick wirkt, als sei sie einem nächtlichen Trinkgelage entsprungen. Auf den zweiten Blick zeigt sich, dass die vermeintlichen Gebrauchsspuren in Wahrheit von Hand gearbeitete Stickereien sind. Scheinbar wahllos ziehen

Fortsetzung:

sich die „Flecken“ über Tischdecken, Servietten, Blusen und kunstvoll gearbeitete Spitzen.

So werden Leinen und Baumwolle zunächst von der Designerin perforiert um dann anschließend mit goldenem Lurexgarn umrandet zu werden. Perlen werden mit Drucken, Garnen und Papier in organisch wirkende Muster verwandelt. Oxidiert, perforiert und perfektioniert. Optische Täuschung par excellence!
Julie Krakowski möchte mit ihren Arbeiten den Widerspruch deutlich machen, der entsteht, wenn Schönes und Neues in Verbindung mit Gebrauchsspuren gebracht werden. Der Fleck wird zur Dekoration, das Gewöhnliche zum Besonderen und damit gleichzeitig zum Hingucker.
Apropos Hingucker – wir können unseren Blick gar nicht mehr von der aufwändig verzierten Bluse lassen, deren Kragen wirkt, als sei er zum Aschenbecher umfunktioniert worden.
Wie schön können Kippen sein! Wir erhoffen uns dringend mehr von den glänzenden Stoff-Sauereien, denn Flecken machen uns hier garantiert keine Sorgen mehr. Darum ein herzliches Dankeschön an Julie, die mit ihren Arbeiten eindeutig bewiesen hat, dass ein Malheur auch etwas Schönes sein kann. Da schlappt es sich doch gleich viel beherzter auf die frisch gedeckte Kaffeetafel.


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