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Interviews Modedesigner & Co: Kilian Kerner
Kilian Kerner - Kilian Kerner - Modedesigner ++
- Wenn ich Sachen entwerfen würde, die keiner haben will, wäre das ziemlich daneben.-
Modedesigner Kilian Kerner ist kreativer Kopf seines eigenen Modelabels, sowie der beiden Labels No Ifs und German Garment. Als Autodidakt hat er sich im Laufe seiner Karriere einen ganz eigenen Weg in die Modewelt gebahnt. Kurz vor dem fünfjährigen Jubiläum seines eigenen Labels berichtet er uns über seinen Werdegang, seine Inspiration und die Herausforderung, drei Labels unter einen Hut zu bekommen.
+ Mit Was der Himmel sagt präsentierest du 2010 das vierte Mal auf der Mercedes Benz Fashion Week. Es geht um die Klarheit des Augenblicks und die kompromisslosen Momente im Leben. Was sind das für kompromisslose Momente, die du in deiner aktuellen Kollektion transportierst?
Die Idee kam eigentlich dadurch, dass ich jetzt schon sieben Jahre in Berlin bin und das ist nun meine zehnte Kollektion. Damals lebte ich in Köln und war irgendwie in so einer Aufbruchsstimmung. Ich hatte Schauspiel studiert und wollte das auch weitermachen. Eines Abends kam ich von einer Party nach Hause und dachte mir: Nee, das kann´s jetzt einfach nicht sein. Ich rief bei Schauspielschulen an und bin einfach nach Berlin zum Vorsprechen gefahren. Als ich am Bahnhof ausgestiegen bin, war mir plötzlich ganz klar: egal was da heute passiert, ich gehe hin, weil hier irgendetwas auf mich wartet. Ein paar Wochen später habe ich auch schon hier gelebt. So kam ich auf die Idee, mal darüber nachzudenken, wann und warum uns diese kompromisslosen Momente begegnen, in denen man sich für eine Richtung entscheidet. So entstand letztlich das Inspirationsgefühl für die Kollektion.
+ Wie hast du das dann genau für deine Mode umgesetzt?
Na ja, bei mir ist es dann so: Ich schließ mich ein bis zwei Wochen ein und lass mich in dieses Gefühl oder das Thema reinfallen, fange dann einfach an zu entwerfen. Auch ohne wirklich nachzudenken und guck halt, was rauskommt. Intuitiv.
+ Hat Dein intuitives Vorgehen was mit deinem Schauspielhintergrund zu tun?
Auf jeden Fall. Bei der Schauspielerei hat mir am meisten gefallen, in sich gehen zu können. Ich war nie der Techniker, sondern hab einfach das gemacht, was ich gefühlt habe.
+ Du transportiert die Gefühle und deine Geschichten nicht nur durch die Mode, sondern eben auch, wie man bei deinen Laufstegshows sehen kann, durch die Musik. Liegt dir das sehr am Herzen?
Ja, weil für mich beides eng beieinanderliegt. Deswegen habe ich 2007 Fashion und Music gegründet. Ich hatte vorher schon mit Livemusik gearbeitet und mir irgendwann gedacht: Wie kann ich das Gefühl, wodurch die Kollektion entsteht, noch mehr nach außen tragen? So kam ich auf die Idee, mit einer Band jeweils einen Song für die entsprechende Kollektion zu machen und das mach ich jetzt in der sechsten Saison.
+ Deine Shows stehen ja immer für ein Gesamtkonzept aus Mode und Atmosphäre. Glaubst du, Dich damit von anderen Designern abzugrenzen?
Nicht unbedingt. Das ist halt einfach meine Art, die Kollektion zu präsentieren. Ich setz mich jetzt nicht hin und denke mir, was kann ich nur machen, damit ich anders bin als andere. Wenn das der Fall wäre, dann liefe etwas falsch.
+ Deine aktuelle Kollektion zeigt kompromisslose Mode. Nebenbei designst du noch für eine Zweitlinie +No Ifs+. Da findet man ja auch dieses Kompromisslose wieder. Wie kam es zu diesem Projekt?
Das ging ganz schnell. Eines Morgens erhielt ich eine E-Mail mit der Info ein neues Modelabel solle gegründet werden. Man beobachte mich schon seit längerer Zeit und frage an, ob ich denn Lust hätte, kreativ für dieses Modelabel tätig zu werden. Fünf Tage später haben wir uns getroffen und eine Woche später waren die Verträge für unsere Kooperation bereits unterschrieben. Mich hat das Konzept einfach total überzeugt. Es war auch ein Segen für uns und unser ganzes Team. Es ist echt krass gewesen, als wir gestern die Sachen aufgebaut haben und erst einmal realisiert haben, dass einfach Unmengen von Klamotten in diesem Raum hängen und wir innerhalb von drei Monaten zwei komplette Kollektionen auf die Beine gestellt haben. Zwischendurch habe ich noch die German Garment Kollektion gemacht. Es war schon ein Marathon, aber komischerweise war es trotzdem die stressfreiste Saison, die ich je hatte, da das Team sich in dieser Zeit verdreifacht hat. Eine ganz andere Art von Arbeit, als an meinem eigenen Modelabel, aber es hat uns sehr viel Spaß gemacht.
+ Kannst du dein eigenes Modelabel von den anderen abgrenzen?
Sicher. No Ifs macht alltägliche Mode. Wenn ich bei McDonalds ´nen Burger essen gehe, wenn ich am Flughafen bin, begegnet mit vielleicht jemand in No Ifs. Mit Kilian Kerner ist es anders. Niemand geht im Kaschmirmantel oder Seidenkleid zu McDonalds. No Ifs ist Streetwear, die Elemente von Kilian Kerner widerspiegelt. Bei einem Streetwear-Label wie No Ifs musst du natürlich auch gucken, was passiert denn wirklich auf dem Markt, was wollen die Leute, was brauchen die Leute. Wenn ich Sachen entwerfen würde, die keiner haben will, wäre das ziemlich daneben...
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